Warum der Herbst bunt wird - und was dann mit dem Laub passiert
Sobald die Tage kürzer werden, beginnt ein bekanntes Schauspiel: Die Blätter an den Bäumen verfärben sich in leuchtendes Gelb, Orange oder Rot – und fallen schließlich ab. Doch warum ist das eigentlich so?
Bäume sind Überlebenskünstler. Im Sommer produzieren sie mit Hilfe des Sonnenlichts und dem grünen Farbstoff Chlorophyll Energie – ein Vorgang, den man Photosynthese nennt. Wenn es kälter wird und weniger Licht zur Verfügung steht, stellt der Baum diese Produktion ein.
Das Chlorophyll wird abgebaut – und dabei kommen Farbstoffe zum Vorschein, die schon die ganze Zeit im Blatt vorhanden waren, aber vom kräftigen Grün überdeckt wurden: die Gelbtöne (Xanthophylle) und Rottöne (Anthocyane). Manche Bäume produzieren letztere sogar erst jetzt – eine Art „Sonnenschutz“, damit das Blatt beim Abbauprozess keinen Schaden nimmt.
Der Baum spart Energie und zieht sich gewissermaßen in sich zurück – eine Vorbereitung auf den Winter.
Immergrüne Bäume wie Fichten oder Kiefern verlieren ebenfalls ihre Nadeln – aber nicht alle auf einmal. Stattdessen tauschen sie sie nach und nach aus, oft unbemerkt.
Herbstlaub
Und dann? Ab auf den Boden
Sobald die Blätter ihre Aufgabe erfüllt haben, trennt sich der Baum von ihnen. An der Basis des Blattstiels entsteht eine sogenannte Trennschicht, durch die das Blatt schließlich abfällt. Was dann auf dem Waldboden oder im Garten landet, ist aber keineswegs wertloser Müll.
Laub spielt eine zentrale Rolle im Naturkreislauf. Es schützt den Boden, bietet Kleinstlebewesen einen Lebensraum – und wird nach und nach zersetzt. Dieser Prozess wird von winzigen Organismen übernommen, etwa Bakterien und Pilzen. Dabei entsteht Humus: ein nährstoffreicher Boden, auf dem neue Pflanzen gut gedeihen.
In Kompostieranlagen wird dieser Vorgang gezielt genutzt. Dort werden große Laubhaufen regelmäßig umgeschichtet, damit genügend Sauerstoff hineingelangt. Die Mikroorganismen heizen den Haufen regelrecht auf – Temperaturen von bis zu 60 Grad sind keine Seltenheit. Am Ende steht fein krümeliger Kompost, der in Gärten oder Parks wiederverwendet wird.
Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird.
Albert Camus
Was passiert mit dem Herbstlaub?
Besonders in Städten fällt im Herbst eine riesige Menge Laub an – viel zu viel, als dass es einfach liegen bleiben könnte. Kehrmaschinen und spezielle Saugsysteme sorgen dafür, dass Gehwege und Straßen sicher bleiben. Auch das ist ein wichtiger Teil der „Laublogistik“, die jedes Jahr aufs Neue in Gang gesetzt wird.
Der bunte Herbst ist kein Zufallsprodukt, sondern von der Natur perfekt geschaffener Vorgang, bei dem der Baum Energie spart und sich auf den Winter vorbereitet. Und auch das abgefallene Laub erfüllt noch einen wichtigen Zweck – sei es im Wald, im Garten oder in modernen Kompostieranlagen. Was für uns einfach wie „Herbstromantik“ aussieht, ist in Wahrheit ein ausgeklügeltes System aus Biologie, Chemie und praktischer Wiederverwertung.
Tonnen Laub werden in Deutschland jedes Jahr allein in den Städten eingesammelt. Würde man das ganze Laub auf einen Haufen werfen, wäre er fast so groß wie die Zugspitze – und das jedes Jahr aufs Neue.